Meldungen aus dem Landesverband

Kriegsgräberstätten vorgestellt

Teil 6: Quedlinburg – Zentralfriedhof

Der Quedlinburger Zentralfriedhof wurde nach Plänen des Breslauer Gartenarchitekten Hans Pietzner angelegt und 1904 eröffnet. Die Anlage des Friedhofs orientierte sich an den weitläufigen Landschaftsparks des 19. Jahrhunderts.

An der Ostseite der Kapelle befindet sich ein Soldatenfriedhof. Das Hauptdenkmal der Kriegsgräberanlage ist den verstorbenen des Kriegsgefangenlagers, welches sich vor den Toren der Stadt am Ritteranger befand, gewidmet. Das Denkmal entstand 1917/18 durch den Bildhauer C.E. Poirier nach einem Entwurf des Architekten C.E. Seigneur. Das Denkmal verfügt über eine Ädikula mit Relief und Inschriften. Umgeben von einem Kreuzfeld sind die Namen von 444 Toten auf der Rückseite des Denkmals eingehauen. Die erste Beerdigung erfolgte für einen für Frankreich kämpfenden, aus Nordafrika stammenden Korporal der Infanterie.

Insgesamt sind 559 Kriegstote hier bestattet. Hiervon handelte es sich bei 147 Personen um deutsche Soldaten, die zwischen dem 21. November 1914 und dem 14. Juli 1919 im Quedlinburger Lazarett verstarben. Ab März 1917 wurden für die Toten Steinkreuze errichtet. Auf dem Friedhof wurden auch verstorbene Insassen des Kriegsgefangenenlagers Quedlinburg beerdigt. Im Lager waren zwischen dem 25. September 1914 und dem 26. Februar 1920 700 Kriegsgefangene verstorben, darunter 412 Russen, 155 Franzosen, 101 Briten sowie 32 Italiener. Für die verstorbenen Kriegsgefangenen waren zunächst Holzkreuze gesetzt worden, die durch die Gefangenen angefertigt wurden. Sie hatten auch die Kriegsgefangenengräber zu pflegen. Die Finanzierung des Denkmals erfolgte durch Spenden seitens der Kriegsgefangenen. Die Einweihung des Denkmals fand am 30. Juni 1918 statt. Zu der Feierlichkeit hatte der Lagerkommandant eingeladen. Es erschienen Vertreter der Stadt Quedlinburg und des örtlichen Militärs. Der Quedlinburger Bürgermeister Bansi versprach während seiner Ansprache: „[…] diese Gräber und das sie krönende schöne Denkmal sind bei uns für alle Zeit in guter Hut. Wir werden sie schützen und pflegen wie die unserer eigenen Brüder. Mit dieser Versicherung übernehme ich das Denkmal für die Stadt Quedlinburg.“

Während die Franzosen, Briten und Italiener in den 1920er Jahren exhumiert wurden, blieben die Deutschen und Russen hier beigesetzt. Im Jahr 2014 wurde das Denkmal saniert.

Am 16. Juli 1997 konnten zwei Sandsteintafeln feierlich eingeweiht werden auf denen die Gefallen des Zweiten Weltkrieges namentlich benannt sind. Sie sind im oberen Teil des Kriegsgräberfeldes beigesetz.

Dem Krematorium des Zentralfriedhofs wurden die Leichen von 912 Häftlingen aus dem Konzentrationsaußenlager Langestein-Zwieberge zur Einäscherung überwiesen. Nach 1945 wurde den aus Polen, der Sowjetunion, Frankreich Italien, Belgien, den Niederlanden, Ungarn, der Tschechoslowakei, Jugoslawien, Luxemburg, Rumänien und Deutschland stammenden Opfern ein Ehrenmal errichtet.

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