Meldungen aus dem Landesverband

Kriegsgräberstätten vorgestellt

Teil 10: Der Friedhof III in Dessau-Roßlau

Die sowjetische Ehrenanlage

Die im 19. Jahrhundert in Dessau entstandenen Friedhöfe I und II erreichten bereits innerhalb weniger Jahrzehnte ihre Kapazitätsgrenze. Deshalb wurde der Friedhof III nach Plänen des Köthener Gartenarchitekten August Hooff (1839–1904) zügig und großflächig geplant und am 1. Oktober 1889 eingeweiht.

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges wurde auf dem Werkgelände der Dessauer BAMAG (Berlin Anhaltische Maschinenbau AG) eine Granatenfüllstation für Artilleriemunition eingerichtet. Bei einer Detonation der Station wurde am 18. Oktober 1918 die Mehrzahl der Arbeiter und Arbeiterinnen zum Teil sehr schwer verletzt; 50 Menschen kamen ums Leben. Die geborgenen Toten sowie die gefundenen Körperteile der Vermissten sind am 23. Oktober 1918 auf dem Friedhof III beigesetzt worden. Seitens der BAMAG hat das Grabmal einen Denkmalcharakter erhalten. Die Mitarbeiter der Gießerei des Betriebs haben – auch in der DDR-Zeit – das Grabmal gepflegt und erhalten.

Auf dem Friedhof III in Dessau befinden sich die Gräber von 600 namentlich bekannten und unbekannten Kriegstoten, davon 35 Deutsche, 267 sowjetische Tote, 15 Polen, ein Tscheche, 8 Holländer, 2 Jugoslawen, ein Engländer, 4 Belgier, 7 Italiener und 252 Tote unbekannter Nationalität. Sie verstarben zwischen dem 19.02.1941 und dem 27.01.1949. Die Grabsteine existieren heute nicht mehr.

1968 wurde eine Ehrenstätte für die Verfolgten des Naziregimes angelegt. Zu beiden Seiten einer schräggestellten Platte mit rotem Winkel und der Inschrift „Die Toten mahnen“ sind in Reihen rund 130 Namensplatten angeordnet, von denen nur ein geringer Teil ein Todesdatum bis 1945 aufweist, unter ihnen sieben Häftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald, die auf dem Evakuierungsmarsch im April 1945 in der Umgebung der Stadt ermordet aufgefunden worden waren. Die Sterbedaten gehen bis in die neunziger Jahre.

In der Abteilung 34 findet sich eine Grabanlage „Vereinte Nationen“, ein Massengrab für Zwangsarbeiter verschiedener Nationen mit einem einfachen Metallkreuz ohne Inschrift.

In der Abteilung 35 wurden in einem Massengrab vorwiegend italienische und französische Zivilarbeiter und Kriegsgefangene bestattet, die etwa 1945 ums Leben kamen. Ein Holzkreuz mit Inschrift und ein von der Republik Italien gesetzter Stein „Zum steten Gedenken an ihre hier ruhenden Gefallenen“ bezeichnen die Grabstelle.

Eine sowjetische Ehrenanlage wurde 1985 für rund 270 Männer und Frauen angelegt, die zwischen 1942 und 1945 als deportierte Zwangsarbeiter ums Leben kamen. Grabbeete mit Einzelgrabsteinen in Reihen weisen die Namen und Lebensdaten aus. Unter ihnen befinden sich auch 13 sowjetische Offiziere, die nach Kriegsende starben.

Eine frühere sowjetische Grabanlage mit Einzel- und Massengräbern in den Abteilungen 48a und 49a wurde mit der Neugestaltung eingeebnet zu einer Rasenfläche mit Mittelgang ohne Kennzeichnung der Einzelgräber.

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