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Meldungen aus dem Landesverband Sachsen-Anhalt
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Erinnern verbindet: Internationale Jugendbegegnung des Volksbundes in Magdeburg

23 junge Menschen aus sieben Ländern setzen sich gemeinsam mit Geschichte, Erinnerungskultur und Frieden auseinander

Eine Gruppe von jungen Menschen steht nah, aber abgewandt, zum Betrachter. Oberhalb befindet sich eine auf einem Block sitzende Frauen-Skulptur, welche in die Ferne gewandt die Augen geschlossen hält.

Die Skulptur "O Deutschland, bleiche Mutter" von Fritz Cremer wird eingehend betrachtet und interpretiert

Vom 11. bis 24. Juli 2026 kamen im Rahmen der internationalen Jugendbegegnung „Magdeburg International“ 23 junge Menschen aus Deutschland, Frankreich, Italien, Rumänien, der Türkei, Ungarn und der Ukraine in der Landeshauptstadt zusammen. In der Tradition des Volksbundes stand die Begegnung ganz im Zeichen von Erinnerung, Verständigung und dem gemeinsamen Einsatz für Frieden in Europa.

Lernen durch praktische Arbeit

Ein zentraler Bestandteil des Programms war die Pflege von Gräbern auf dem Westfriedhof in Magdeburg. Durch die praktische Arbeit an den Ruhestätten von Kriegstoten und Opfern von Gewaltherrschaft setzten sich die Teilnehmenden intensiv mit individuellen Schicksalen und den Folgen von Krieg und Gewalt auseinander. Die Pflege der Gräber diente dabei nicht nur dem Erhalt der Erinnerungsorte, sondern auch als pädagogischer Zugang zur Geschichte.

Begleitend zur praktischen Tätigkeit beschäftigten sich die Jugendlichen in Workshops und Gesprächen mit Themen wie dem Nationalsozialismus, der SED-Diktatur, der Frage nach Menschenrechten und demokratischen Werten. Dabei wurde auch diskutiert, wie Erinnerungskultur entsteht und wie sich ihre Deutungen im Laufe der Zeit verändern kann.

Einführend begrüßte der Landesvorsitzende Andreas Arnsfeld die Gruppe in Magdeburg und hob die Wichtigkeit des gegenseitigen Austauschs, des Zusammenfindens und des Knüpfens neuer Freundschaften hervor. 

Spurensuche in Gardelegen

Am 16. Juli führte eine Exkursion die Gruppe zur Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe in Gardelegen. Unter Anleitung des Gedenkstättenleiters Stefan Winzer setzten sich die jungen Erwachsenen in Kleingruppen mit den Ereignissen des Massakers vom 13. April 1945 auseinander und erkundeten die Dauerausstellung sowie das Gelände der Gedenkstätte anschließend eigenständig.

Im Mittelpunkt standen neben historischen Fakten vor allem Fragen nach Erinnerung, Verantwortung und der Bedeutung historischer Orte für die Gegenwart. Gerade der internationale Austausch zeigte dabei, wie unterschiedlich historische Erfahrungen wahrgenommen und erinnert werden können.

Im Anschluss stellte der Kreisvorsitzende des Volksbundes im Altmarkkreis Salzwedel, Dr. Hans-Joachim Becker, bei einem Rundgang durch Gardelegen weitere Orte der lokalen Erinnerungskultur vor. Dazu gehörten das im vergangenen Jahr neu geschaffene Denkmal für die Bombenopfer sowie die Kirchruine St. Nikolai mit ihrer bewegten Geschichte.

Erinnerungskultur im Wandel & Aufarbeitung von politischem Unrecht

Zu Beginn der zweiten Woche der Jugendbegegnung beschäftigten sich die Teilnehmenden auf dem Magdeburger Westfriedhof mit dem Gräberfeld der „Opfer des Faschismus“. Nach einer Einführung durch Carla Steinbrecher vom Büro des Beauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur erkundeten sie die Anlage selbstständig und tauschten ihre Eindrücke aus.

Ein besonderes Augenmerk lag auf der historischen Einordnung des in der DDR entstandenen Mahnmals "O Deutschland, bleiche Mutter" sowie der künstlerischen Gestaltung durch den Bildhauer Fritz Cremer. Die Jugendlichen brachten dabei Erfahrungen aus ihren Herkunftsländern mit ein und diskutierten über unterschiedliche Formen des Erinnerns und Gedenkens in Europa. Der heutige Umgang mit der Erinnerung an das NS-Regime und den Zweiten Weltkrieg warfen dabei auch die Frage nach dem Umgang mit der kommunistischen Vergangenheit des Landes auf. Ein weiterer Höhepunkt war daher der Workshop „Aufarbeitung von politischem Unrecht – aber wie?“. Die Teilnehmenden setzten sich mit den Grundlagen der SED-Diktatur auseinander und reflektierten gemeinsam, wie historische Forschung unterstützt, Öffentlichkeit informiert und Betroffene politischer Verfolgung begleitet werden können.

Darüber hinaus diskutierten sie, wie die Aufarbeitung von Diktatur- und Unrechtserfahrungen in ihren jeweiligen Heimatländern gestaltet wird und welche Herausforderungen damit verbunden sind.

Gemeinsam für Frieden und Verständigung

Die Jugendbegegnung machte deutlich, wie wertvoll internationale Begegnungen für das gegenseitige Verständnis sind. Unterschiedliche Perspektiven, Erfahrungen und Erinnerungskulturen eröffneten neue Blickwinkel auf Geschichte und Gegenwart. Geschichte wurde dabei nicht nur vermittelt, sondern gemeinsam entdeckt, hinterfragt und reflektiert.

In einer gemeinsamen Abschlusszeremonie am 23. Juli ließen die Teilnehmenden vor einer kleinen Zuschauerschaft ihre Erlebnisse der vergangenen zwei Wochen Revue passieren und brachten die gemeinsame Zeit zu einem guten Ende.

Mit Projekten wie „Magdeburg International“ setzt der Volksbund seine Friedens- und Bildungsarbeit gerade in heutigen Zeiten von Konflikten und Konfrontation fort und schafft Räume, in denen junge Menschen Verantwortung für Erinnerung übernehmen und gemeinsam über die Zukunft eines friedlichen Europas nachdenken können.

Hinweis:
Das Projekt wurde gefördert durch Mittel des Kinder- und Jugendplans des Bundes und der Jugendstiftung der Sparkasse Magdeburg.